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Technische Physik an der University of Twente Enschede in den Niederlanden studieren

Informationen über den Studiengang

Bachelor: 3 Jahre

Master: 2 Jahre

Der Überlieferung zufolge saß Archimedes im Bad, als er spürte, wie sein Körper leichter wurde. Er dachte nach – und auf einmal wusste er es. Vor lauter Freude rannte er jauchzend auf die Straße hinaus. Das Gesetz des Auftriebs war entdeckt worden. Dieser Drang, die Suche nach einer Erklärung für physikalische Phänomene, ist die typische Charaktereigenschaft eines Physikers.

Physiker geben sich nicht damit zufrieden, Phänomene zu erkennen. Sie wollen die Gesetzmäßigkeiten entdecken und das Phänomen verstehen. Die Grundlage bildet dabei das Experiment. Da physikalische Experimente immer komplizierter werden, besteht wachsender Bedarf an Physikern, die nicht nur über profundes Wissen verfügen, sondern auch praktische Fähigkeiten besitzen; Spezialisten, die entwerfen und konstruieren können und rundum über Messverfahren Bescheid wissen.

Allgemeinphysiker vs. technischer Physiker

Hat ein Allgemeinphysiker ein physikalisches Phänomen beschrieben, so ist er mit seiner Aufgabe fertig. Für einen technischen Physiker fängt die Arbeit dann erst an. Die zentrale Frage lautet für ihn, wo die Anwendungsmöglichkeiten liegen. Wer das interessant findet und über ein neugieriges Naturell verfügt, für den ist technische Physik das richtige Studium. Einmal in diesem Fach aktiv, arbeitet man, ehe man sich's versieht, an Erfindungen, Entdeckungen und neuen Anwendungen; eine überraschende Erkundungsreise, die schon im ersten Jahr des Bachelor-Studiums beginnt.

Hallo, ich bin Erik Dietrich aus dem vierten Jahr technischen Physik. Bist du auf das „Wie und Warum“ von physikalischen Prozessen so neugierig wie ich? Dann bist du hier in Twente genau richtig! Schon auf dem Gymnasium waren Physik und Biologie meine Lieblingsfächer, aber hier lernst du nun, damit ergebnisorientiert zu arbeiten. Du erfährst, wie ein Kühlschrank gekühlt wird, wie ein Fernseher funktioniert und wieso Satelliten im Weltraum schweben (nein, es iegt nicht an der fehlenden Schwerkraft!). Ich finde es toll, dass man jetzt endlich mit der Praxis in Berührung kommt und die Theorie besser versteht. Im ersten Jahr besteht das Studium zu ungefähr einem Drittel aus Mathematik – die beste Grundlage, um allerlei physikalische Probleme zu lösen, zu beschreiben und zu verstehen. Und? Ist das vielleicht auch ein Studiengang für dich, um deine (Physik) Talente zu entfalten?“
Erik Dietrich, 4.Jahr

Technische Physik an der Uni Twente

Das Studium der technischen Physik ist den fundamentalen Naturphänomenen und ihrer praktischen Anwendung gewidmet. Hier an der Universität Twente wird auf Weltniveau in den Bereichen Werkstoffkunde, Optik, Biophysik und Flüssigkeitsphysik geforscht. Zu diesem Zweck arbeitet die Universität mit weltberühmten Forschungsinstituten wie BMTI, IMPACT und MESA+ zusammen. So wird eine direkte Verbindung zwischen dem Unterricht und der physikalischen Forschung geschaffen und die Studenten wissen über die jüngsten Entwicklungen Bescheid.

Darüber hinaus lernen sie auf diese Weise modernste Geräte und neueste Messverfahren kennen. Typisch für den Unterricht an der Universität Twente sind überdies der persönliche Charakter und die informelle Atmosphäre. Hier kann man sich mit Fragen einfach direkt an den Dozenten wenden, und der Studentenmentor steht immer mit Rat und Tat bereit, wenn es mal ein Problem gibt. Zusammenarbeit und Präsentationstechniken finden bei dieser Ausbildung viel Beachtung, damit die Studenten auch lernen, wie man wissenschaftliche Ergebnisse am besten präsentiert.

Das Bachelor-Studium

Das Bachelor-Studium Technische Physik dauert drei Jahre.

1. Jahr

Im ersten Studienjahr werden die Studenten durch theoretischen Unterricht ebenso wie durch Praktika auf dem Gebiet der Physik in Hauptthemen wie Dynamik, Thermodynamik, Elektrizität und Magnetismus eingeweiht. Darüber hinaus werden sie in der „Sprache des Physikers“, der Mathematik, so geschult, dass sie in der Lage sind, damit auf praxisorientierte Weise an komplexe Probleme heranzugehen. Zwischendurch arbeitet man an verschiedenen Projekten und Aufgaben, zum Beispiel auf dem Gebiet der Modellierung. Das Jahr wird mit dem propädeutischen Projekt beendet: Die Studenten bilden kleine Gruppen und entwerfen gemeinsam ein Gerät, wobei das gesamte bisher aufgebaute Wissen praktische Anwendung findet.


Dies sind die Fächer des ersten Jahres im Überblick:

 

  • Kalkül
  • Dynamik
  • Dynamische Modellierung & Simulation
  • Elektrizität & Magnetismus
  • Energie & Entropie
  • Experimentieren
  • Instrumentierung
  • Lineare Algebra
  • Orientierung Technische Naturwissenschaften
  • propädeutisches Projekt



Innerhalb der einzelnen Pflichtfächer bestehen Wahlmöglichkeiten, sodass der Student hier jeweils eigene Akzente setzen kann.

2. Jahr

Im zweiten Jahr wird das physikalische Wissen weiter aufgebaut und vertieft.

3. Jahr

Im dritten Jahr wird eines der Forschungsthemen der Disziplin Technische Physik gewählt, gefolgt von der abschließenden Bachelor-Arbeit, die den Schlusspunkt der Bachelor-Phase bildet. Neben einer Bachelor-Abschlussarbeit absolvieren die Studenten im dritten Jahr ein Minor; dies ist ein zusammenhängendes Programm, für das 20 Studienpunkte vergeben werden und das auf einem ganz anderen Feld als der Physik angesiedelt sein kann.

Beispiel einer Bachelor-Abschlussarbeit:

Bildliche Darstellung lebender Zellen

In Studien wurde festgestellt, dass wahrscheinlich röhrenförmige Strukturen zwischen Krebszellen verlaufen, deren Funktion unklar ist. Man vermutet, dass die Zellen auf diese Weise miteinander kommunizieren und somit wuchern können, ohne dass sie „von oben“ gelenkt werden. Untersucht werden soll, ob es möglich ist, diese röhrenförmigen Strukturen nachzuweisen. Die Studie wird in Zusammenarbeit mit der Universität Münster durchgeführt, von der auch die Krebszellen bereitgestellt werden.

Für die Studie steht ein Rasterkraftmikroskop zur Verfügung. Die Rasterkraftmikroskopie (Atomic Force Microscopy, AFM) ist ein Verfahren zur Detektion dieser Nanostrukturen auf relativ harten Oberflächen. Zu diesem Zweck verwendet man einen sogenannten Cantilever, den man sich am besten als eine Art Metallnadel vorstellen kann, wie sie für Schallplatten benutzt wird. An der Rückseite wird darauf in schrägem Winkel ein Bündel Laserstrahlen gerichtet, die reflektiert werden und danach wieder auf einen Sensor treffen. Mithilfe dieses Sensors lässt sich dementsprechend feststellen, wie die Laserstrahlen abgelenkt werden und ob sich der Cantilever somit bewegt. Bei normalen Atomen funktioniert dies sehr gut; weil Zellen jedoch etwas elastischer sind, gestaltet sich ihre Darstellung mit diesem Verfahren sehr viel schwieriger. Jetzt ist der Student und Forscher gefordert: Er soll die Möglichkeiten untersuchen.

Aufbau des Studiums

Jedes Studienjahr besteht aus 40 Studienwochen, die sich auf zwei je 20-wöchige Semester verteilen. Der Unterrichtsstoff in den einzelnen Fächern wird sofort hinterher abgefragt. Die Prüfung erfolgt entweder in Form einer von den Studenten zu lösenden Aufgabe oder in Form einer schriftlichen Prüfungsarbeit. Wir gehen davon aus, dass ein Student bereit ist, pro Woche etwa 40 Stunden für das Studium aufzuwenden. Davon werden 25 Stunden mit Vorlesungen und Seminaren, Arbeitsgruppen und Praktika verbracht. Nach dem Abschluss der Bachelor-Phase darf der Student den Titel Bachelor of Science (BSc) führen. Mit dem Bachelor-Diplom in der Tasche kann man sich gleich auf die Suche nach einer Stelle machen; die überwiegende Zahl der Studenten entscheidet sich jedoch für ein Master-Studium.

Das Master-Studium

Das Bachelor-Diplom Technische Physik bietet direkten Zugang zu der zweijährigen Master-Ausbildung „Applied Physics“. Dieses Studium findet in englischer Sprache statt, weil ein Teil der Studenten aus dem Ausland kommt. Man studiert also unter Kommilitonen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund.

Berufliche Perspektiven

Technische Physik ist ein breit gefasstes Studium, was sich auch an dem ausgedehnten Arbeitsfeld des technischen Physikers zeigt. Von verschiedenen Seiten besteht wachsendes Interesse an dem analytischen Vermögen, das für den technischen Physiker so charakteristisch ist. So wächst etwa das Interesse im Bereich der Informationstechnik und Beratungsfirmen stellen für technische Physiker ein neues Segment auf dem Arbeitsmarkt dar.

Mehr als zehn Prozent der Studienabgänger arbeiten derzeit im Ausland; das Arbeitsgebiet ist somit nicht auf die Niederlande beschränkt. Studenten, die nach dem Abschluss nicht sofort in einen Beruf einsteigen wollen, können sich weiter spezialisieren, indem sie sich zum Beispiel um eine Stellung als Doktorand bewerben. Sie betreiben dann vier Jahre lang wissenschaftliche Forschung und werden dabei von einem Professor betreut. Diese Phase wird mit einer Doktorarbeit abgeschlossen, in der die Forschungsergebnisse dargestellt werden. Nach einer öffentlichen Verteidigung der Doktorarbeit wird dem Studenten der Doktortitel verliehen.

Technische Physiker können eine Tätigkeit unter anderem in den folgenden Berufen aufnehmen:

Forschung & Entwicklung

Etwa die Hälfte aller Absolventen dieser Studienrichtung beschäftigt sich täglich mit Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Technik. Auftraggeber können Universitäten, Forschungsinstitute wie TNO und das „Energieonderzoek Centrum Nederland“ in den Niederlanden oder das Kernforschungsinstitut CERN in der Schweiz, aber auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Industrieunternehmens sein, wie beispielsweise Philips, Shell oder Océ. Sie entwickeln neue Werkstoffe, neue Verfahren oder neue Produkte, zum Beispiel für die Raumfahrt oder die Medizin.

Ingenieurwesen & Produktion

Hier geht es um die Entwicklung von Herstellungsverfahren oder Produkten, zum Beispiel ein Kopiergerät oder ein Bildtelefon. Das kann man als Beschäftigter eines Großunternehmens oder als Berater in einer Ingenieurfirma machen. Es kann auch sein, dass der technische Physiker die Verantwortung für das Produktionsverfahren trägt.

Management & Beratung

Studenten, die über Managementtalent verfügen, wird es interessieren, dass eine steigende Nachfrage nach technischen Physikern besteht, die in der Lage sind, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines großen Unternehmens zu führen. Wer eine Position anstrebt, in der man sein Fachwissen für den Auftraggeber versilbern kann, für den gibt es gute Nachrichten: Viele Studienabgänger wurden in den zurückliegenden Jahren mit offenen Armen in Beratungsunternehmen empfangen. Wer gerne selbstständig sein möchte, kann sich der Herausforderung einer eigenen Unternehmensgründung stellen. Die Universität Twente begrüßt und unterstützt diese Initiativen.

Anmeldung

Die Anmeldung für dieses Bachelor-Studium erfolgt über www.studielink.nl, wo man die Studienbezeichnung „Technische Natuurkunde“ (Technische Physik) wählt.

Weitere Informationen zum Studium in den Niederlanden an der University of Twente

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