Medizin studieren im Ausland – Allgemeine Infos zum Medizinstudium im Ausland
Fast 9% aller deutschen Abiturienten träumen von einem Medizinstudium im Bereich Humanmedizin, Zahnmedizin oder Veterinärmedizin. Allerdings stehen für nur knapp 2% dieser Abiturienten Erstsemesterplätze zur Verfügung. Daher denken viele Abiturienten über die Möglichkeit nach, ihr Medizinstudium oder ein Teil davon im Ausland abzuleisten. Aber eigentlich gibt es neben der Platzknappheit in Deutschland weitere gute Gründe, ein Medizinstudium im Ausland zu verbringen. Auf der einen Seite stehen die Verbesserung der Sprachkenntnisse und die besseren Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Auf der anderen Seite stehen die Gewinnung von persönlichen Kompetenzen, wie zum Beispiel die persönliche Weiterentwicklung, die Stärkung deiner Unabhängigkeit sowie die deines Selbstvertauens. Jedoch gilt es einen Aufenthalt im Ausland, gerade auch für längere Zeit, gut vorzubereiten. Dies gilt ganz besonders für ein Medizinstudium. Einige der Punkte, die du bei der Vorbereitung zum Studium der Medizin im Ausland beachten solltest, findest du auf unseren Infoseiten.
Zulassung zum Medizinstudium im Ausland – verschiedene Bewerbungskriterien aber ähnliche Sprachnachweise
Zulassungsbedingung für alle Hochschulen im Ausland ist grundsätzlich das deutsche Abitur oder ein vergleichbarer Schulabschluss. Während es für das Medizinstudium in Deutschland das Auswahlverfahren der ZVS durch die Abiturnote gibt, oder das Auswahlverfahren der Hochschule (ADH) und den Test für Medizinische Studiengänge (TMS), gibt es im Ausland verschiedene Methoden der Zulassung. Für das Fach Medizin hilft es ungemein, im Abitur Mathematik oder andere naturwissenschaftliche Fächer belegt zu haben. Ein weiteres, wichtiges Kriterium für ausländische Medizinhochschulen ist neben einem Lebenslauf und einem Interview oft ein separater Zulassungstest. Diesen kann man je nach Hochschule in Deutschland oder dem jeweiligen Standort der Hochschule machen. Entscheidest du dich für ein englischsprachiges Auslandsstudium im Bereich Medizin musst du hierfür noch einen aktuellen, offiziell durchgeführten Sprachnachweis vorlegen. Dabei akzeptieren die meisten Hochschulen weltweit heute nur noch drei offizielle Sprachtests: Den amerikanischen TOEFL-Test oder die britischen Tests IELTS bzw. immer seltener das Cambridge Proficiency Exam (CPE). Die Hochschulen haben auf ihren Webseiten meist Angaben darüber, mit welchem Sprachtest und Ergebnis man zu welchem Studium zugelassen wird. In Österreich, der Schweiz und in Ungarn kannst du auch auf Deutsch studieren, brauchst also vorab keinen Sprachtest durchführen zu lassen. In Westeuropa gibt es meist nationale Zulassungstests für Medizin oder auch Losverfahren, bei denen die Abiturnoten mit einfließen. In Osteuropa sind die Hochschulen selbst verantwortlich für die Studiumszulassung, erheben aber oft sehr hohe Studiengebühren. Nur in seltenen Fällen gibt es in Osteuropa noch Medizinhochschulen mit weniger als 7.000 Euro Jahresgebühren. Neben den Zulassungsbedingungen gilt es für das Medizinstudium im Ausland die Finanzen zu klären. Denn oftmals sind die Studiengebühren für ein Medizinstudium im Ausland sehr hoch.
Studiengebühren, Wohnen und Leben – Was kostet ein Medizinstudium im Ausland?
In den meisten Ländern der Welt zahlt man für Medizin sehr hohe Studiengebühren. In über 50% aller Länder bezahlt man inzwischen Studiengebühren von mindestens 6.000 Euro pro Jahr oder mehr für sein Medizinstudium. Teilweise sind die Studiengebühren sogar höher, liegen zwischen 10.000 Euro und in wenigen Fällen bei bis zu 45.000 Euro pro Jahr. In Westeuropa gibt es noch nicht überall Studiengebühren für Medizin, in Osteuropa sind inzwischen jedoch mindestens 7.500 bis 12.000 Euro pro Jahr üblich. Auf jeden Fall solltest du darauf achten, dass die Gebühren für das Medizinstudium immer transparent sind und keine unerkennbaren Gebührensätze enthalten. In den anfallenden Gebühren ist oftmals keine Unterkunft im Wohnheim oder einer WG mit eingerechnet und auch für die persönliche Lebenshaltung musst du selber aufkommen. Ganz wichtig ist auch, dass du dich krankenversicherst, da deine normale Krankenversicherung nicht für längere Aufenthalte im Ausland sondern nur in Deutschland gilt.
Darum ist es wichtig, dass du dich frühzeitig informierst, woher du das Geld für ein Studium im Ausland beziehen kannst, wenn es nicht von deinen Eltern kommen soll. Es gibt in Deutschland gute Finanzierungsmöglichkeiten, die das Bezahlen eines Medizinstudiums im Ausland unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel das Auslands-Bafög, Stipendien und Stiftungen aus Deutschland und dem Ausland, Bildungsfonds und private Bildungskredite. Ein Nebenjob ist für Medizinstudenten meist zeitlich nicht drin. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) informiert ebenfalls über Stipendien und das Medizinstudium im Ausland.
Da der deutsche Wohnstandard sehr hoch ist, solltest du dich bei deiner Unterkunft im Ausland auf einen oft niedrigeren Standard einstellen. Die Höhe der Miete hängt von der Stadt ab, in der du dein Auslandsstudium belegst. Es gibt Weltregionen, in denen du schon für weniger als 100 Euro pro Monat eine ganz passable Unterbringungsmöglichkeit bekommst. Andererseits gibt es, besonders in großen Industrienationen, Großstädte mit sehr hohen Mietpreisen, die oft doppelt oder dreimal so hoch sind wie in Deutschland. Informiere dich daher rechtzeitig bei der Hochschule über die Preise der Wohnheime oder Privatunterkünfte vor Ort.
Darüberhinaus musst du natürlich auch noch deine täglichen Ausgaben für Essen, Trinken und ähnliches mit einplanen. Meist kann dir die Hochschule im jeweiligen Ausland eine gewisse Größenordnung vorgeben.
Wo studiert man Medizin im Ausland? Wie lange dauert das Medizinstudium im Ausland und wird es auch anerkannt?
Besonders beliebt bei deutschen Medizinstudenten sind unsere europäischen Nachbarländer. Danach folgen die anderen europäischen Länder sowie das englischsprachige Ausland. Darunter fallen die Niederlande, Österreich, die Schweiz, Belgien, Ungarn, Polen, Tschechien, die Slowakei, Lettland und Litauen aber auch Großbritannien, Irland, Kanada, USA und Australien. Je nach Land, Studiumskosten und Sprachangebot vor Ort studieren mehr oder weniger Deutsche vor Ort.
Ein komplettes Medizinstudium im Ausland, das in der Regelstudienzeit abgeschlossen wird, dauert je nach Fachrichtung und Land zwischen 5 und 6 Jahre. Hat man alle Prüfungen erfolgreich bestanden bekommt man einen nationalen Bildungsabschluss, der im jeweiligen Land die Ausübung eines ärztlichen Berufs zulässt. Sehr häufig kommen Medizinstudenten nach Abschluss des theoretischen Teils nach Deutschland zurück, wenn sie im Ausland das Klinikum aufgrund fehlender örtlicher Sprachkenntnisse nicht vollenden können.
Die Anerkennung des Medizinstudiums im Ausland ist äußerst wichtig. Innerhalb Europas und in Teilen Asiens ist es inzwischen möglich, seine Leistungen einfacher anerkannt zu bekommen. Dies garantiert das European Credit Transfer System (ECTS), mit dem alle Hochschulen in Europa und Teilen Asiens arbeiten um Leistungen aus dem Auslandstudium anzuerkennen. Da der Beruf Arzt ein geschützter Beruf ist, musst du dich unbedingt im Vorfeld bei den Anerkennungsstellen in Deutschland oder bei Anabin, der Informationsseite über Bildungsinstitutionen im Ausland unter www.anabin.de informieren, welche Hochschulen und Studiengänge für Medizin in Deutschland anerkannt sind. Meistens ist eine Einzelfallprüfung für ausländische Studiumsleistungen im Bereich eines Medizinberufes in Deutschland erforderlich.
Gerne übersehen: Das Visum für das Studium im Ausland
Sofern du dich innerhalb der Europäischen Union bewegst benötigst du keine Aufenthaltsgenehmigung und brauchst dir über das Thema Visum keine Gedanken zu machen. Liegt dein Studienort aber außerhalb der Europäischen Union ist es äußerst wichtig, dass du dich rechtzeitig um ein Einreisevisum und/oder eine Aufenthaltsgenehmigung als Student in deinem jeweiligen Zielland kümmerst. Rechtzeitig heisst mindestens 3 Monate vor deinem Abreisetermin. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du dich frühzeitig über das Thema Visum informierst.
Medizinstudium im Ausland - Fazit
Trotz einiger Hürden, wie etwa den Sprachkenntnissen, den benötigten Zeugnissen oder aber den möglicherweise höheren Kosten, bleibt ein Medizinstudium im Ausland aus vielen Gründen attraktiv. Es ist nicht nur eine attraktive Alternative aufgrund der Knappheit der Studienangebote im Bereich Medizin, sondern besonders, weil du dich und deine Kompetenzen im Ausland entscheidend weiterentwickelst und schonmal in Berührung mit dem internationalen Arbeitsmarkt kommst.














