Endlich raus: Reisen, arbeiten und sich selbst entdecken
Überbrückungsmöglichkeiten für die Zeit nach dem Abi
Ein letztes Mal durch den Haupteingang der Schule. Ein letztes Mal quietschen die Sneaker über den abgelaufenen, steinernen Boden – ein letztes Mal als Abschiedsgruß. Ein kurzer Blick zurück, der einen Moment zu lange dauert, und dann ist man raus. Das Abi in der Tasche - durchatmen.

Was vor dir liegt sind die (Un)möglichkeiten für Ausbildung oder Studium. Doppelte Abiturjahrgänge, wehrpflichtlose Wehrdienstwillige und zivildienstlose Verweigerer sammeln sich in langen Schlangen vor den Hochschulen und Ausbildungsbetrieben.
Doch du musst dich nicht gleich geschlagen geben von dem Ansturm einer ganzen Generation. Vor allem nicht, wenn du noch gar nicht so genau weißt, wo es einmal hingehen soll oder wenn du einfach erst mal eine Pause brauchst. Für viele ist es genau das Richtige, nach dem Abi etwas völlig anderes zu machen und sich selbst besser kennenzulernen.
Die Zeit nach dem Abschluss ist, wie vor der Theke eines prall gefüllten Kiosks zu stehen: viele bunte leckere Versuchungen springen dir ins Auge. Vom Work and Travel-Abenteuer in Australien, über Entwicklungsarbeit in Afrika bis hin zur Arbeit auf Farmen weltweit oder einer Sprachreise in Europa – (fast) alles ist möglich!
Doch du solltest dir gut überlegen, was du wählst, denn Zeit und Geld sind oftmals knapp. Wir haben uns das Sortiment einmal genauer angesehen und lassen dich wissen, was so drin ist in den süßen Erfahrungsbonbons, was oft Zahnschmerzen bereitet und was zu einem unvergesslichen Lächeln führt…
Work and Travel – der Backpack-Klassiker
Mit hoher Wahrscheinlichkeit kennst du jemanden, der schon einmal ein Jahr in Australien verbracht hat. Das Backpacker-Land Nummer Eins kann schon gar nicht mehr ohne sie, die Saisonarbeiter mit Abitur. Denn die Landwirtschaft lebt von den Abenteuer-Suchenden vom anderen Ende der Welt, genauso wie die Gastronomie. Aber auch andere Naturparadise lassen sich mit dem sogenannten Working Holiday Visum entdecken: zum Beispiel die Weiten des zweitgrößten Landes der Welt, Kanada, oder die faszinierende Naturvielfalt Neuseelands.
Wenn du auf eigene Faust aufbrechen willst, musst du dich um ein gutes finanzielles Polster kümmern und frühzeitig ein entsprechendes Visum beantragen. Für Work and Travel in Kanada, Neuseeland oder eben Australien kannst du weitere Informationen zum Working Holiday Visum auf den Seiten der Botschaften erhalten:
Australien - Working Holiday Maker
Neuseeland - Working Holiday Scheme
Kanada - Working Holiday
Wenn du lieber auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du deinen Abenteuertrip auch über einen der zahlreichen Work and Travel-Anbieter im Internet buchen. Wichtig: achte auf seriöse Angebote! Man kann diese oft an Qualitätssiegeln auf der Webseite erkennen. Du kannst natürlich auch auf die Erfahrungen von Freunden und Bekannten zurückgreifen, die solche Anbieter schon in Anspruch genommen haben.
Ein Tipp aus eigener Erfahrung: alleine zu reisen kann zwar unheimlich befreiend sein, aber man ist auch oft für sich und kann schöne Momente nicht mit Menschen teilen, die einem wichtig sind. Genauso sollte man sich aber auch gut überlegen, wen man auf eine solche Reise mitnehmen möchte.
Als Faustregel gilt: wähle jemanden, dem du vollkommen vertraust und mit dem du schon einmal gemeinsam über längere Zeit im Urlaub warst oder mit dem du generell viel unternimmst.
Au Pair - Super-Nanny weltweit
Wenn du Kinder magst und dir vorstellen kannst, dich jeden Tag mehrere Stunden mit ihnen zu beschäftigen, dann kann ein Au Pair-Jahr im Ausland eine großartige Erfahrung für dich sein. In der Regel wohnst du zusammen mit deiner Gastfamilie, erledigst Aufgaben im Haushalt und kümmerst dich um die lieben Kleinen. Die können aber auch schon mal im pubertierenden Alter stecken und gar nicht so leicht zu handhaben sein – in solchen Momenten kann man ganz schnell ein großes Verständnis für die (Un)geduld der eigenen Eltern entwickeln.
Ein Au Pair-Jahr kannst du in den verschiedensten Ländern machen. Weitere Informationen und Hilfestellung findest du hier.
Wwoof – Farmer spielen für Kost und Logis
Die Sonne geht auf und ein neuer Tag auf der Farm beginnt. Felder wollen bestellt, Obst gepflückt, Tiere gepflegt und Gebäude in Stand gehalten werden. Dein Lohn: du darfst in wunderschöner Umgebung wohnen und wirst versorgt, lernst oftmals andere junge Leute aus der ganzen Welt und die Lebensphilosophie vor Ort kennen. Nur ein Au Pair-Aufenthalt verspricht einen ähnlich intensiven und authentischen Eindruck von Land und Leuten. WWOOF steht für „World Wide Opportunities on Organic Farms“ und das dahinterliegende Prinzip ist einfach: du arbeitest zwischen vier bis sechs Stunden pro Tag für eine ökologische Einrichtung wie zum Beispiel einen Bio-Bauernhof. „WWOOFen“ kann man fast überall auf der Welt und über verschiedene Zeiträume.
Eine Auflistung der Länder und weitere Informationen erwarten dich unter: www.wwoof.org
Übrigens, wenn du deine Heimat einmal besser kennenlernen willst, kannst du auch in Deutschland "WWOOFen" und ein ganz neues Bild vom eigenen Land und Leuten gewinnen: www.wwoof.de
Sprachreisen - Vollkommen ein- und abtauchen in eine andere Welt
Wenn du dich für Sprachen begeisterst, dich auf ein Auslandsstudium vorbereiten willst oder einfach nur besser in einer Fremdsprache werden möchtest, dann kann eine Sprachreise ein spannendes Abenteuer für dich bedeuten. Du machst dich auf in eine Gegend, in dem die geliebte Sprache beheimatet ist und lernst zudem Land und Kultur kennen.
Das ist ein unglaublicher Vorteil im Gegensatz zu Sprachschulen in der Heimat – denn Sprache ist auch immer mit dem Lebensalltag und den Eigenarten eines Landes verflochten. So erlernst du schneller und besser Vokabular und Aussprache – vor allem aber, wann welche Worte angebracht sind, wann nicht und wie man sich umgangssprachlich austauscht.
Eine Auflistung von Veranstaltern, Ländern und Unterrichtsformen findest du beim Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V.
Entwicklungsarbeit – Mit Brunnen und Brücken in eine bessere Welt
Mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit kannst du dich in der Entwicklungsarbeit engagieren und die sozialen und wirtschaftlichen Situationen in Ländern der Dritten Welt verbessern. Du unterstützt die Einheimischen zum Beispiel in der Versorgung mit Trinkwasser in Afrika oder der Ausbildung von Jugendlichen in Südamerika.
Doch auch wenn die Vorstellung eines romantischen Sonnenuntergangs in Afrika oder die exotischen Landschaften Südamerikas noch so sehr das Fernweh antreiben, du solltest dir im Klaren darüber sein, dass Entwicklungsarbeit auch hart ist und an die Substanz gehen kann. In jedem Fall ist sie aber lehrreich und ein einmaliges Erlebnis, sich selbst kennenzulernen und eine neue Sicht auf das Leben zu erhalten.
Weitere Informationen findest du unter:
www.rausvonzuhaus.de und www.weltwaerts.de
Bundesfreiwilligendienst – freiwillig fürs Vaterland
Der Wehrdienst und Zivildienst verabschiedet sich sang- und klanglos aus den Köpfen der Menschen. An die Stelle des Zivildienstes soll der Bundesfreiwilligendienst treten und Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) ergänzen. Der Bundesfreiwilligendienst soll auch in den Bereichen Sport, Integration, Kultur und Bildung möglich sein – wir sind gespannt, was der neue Dienst mit sich bringt.
Aktuelle Informationen dazu findest du hier.
Ich hoffe, wir konnten dir einen guten Einblick in die Überbrückungsmöglichkeiten nach dem Abi geben. Wir drücken dir die Daumen, dass du das Richtige für dich findest – sei es ein Studienplatz, eine Stelle als Auszubildener oder eben eine spannende Überbrückungsmöglichkeit!
Aktuelle Informationen zu diesen Themen findest du auch auf unserer Facebook-Seite und wir laden dich herzlich dazu ein, dort mit uns in Kontakt zu kommen und deine Fragen und Meinungen zu posten.
Viel Erfolg bei deinen Entscheidungen für die Zeit nach dem Abi!
Beste Grüße,
Gerd
Generation G8 Redakteur













