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Gesundheitswissenschaften an der University of Twente Enschede in den Niederlanden studieren

Informationen über den Studiengang

Bachelor: 3 Jahre
Master: 1 Jahr

Das Gesundheitswesen ist gewaltig in Bewegung. Man denke nur an die laufenden Reformen, den Einfluss europäischer Rechtsvorschriften und die Entwicklungen auf dem Gebiet der Medizintechnik. Durch die demografische Entwicklung (Vergreisung) werden Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer immer öfter vorkommen und für andere Umstände sorgen. Zum Beispiel ist es nicht einfach, für solch ein Problem eine Lösung auszuarbeiten. Obendrein wird man auch häufiger mit fehlendem Personal, fusionierenden Einrichtungen und anspruchsvollen Patienten konfrontiert. Während auf der einen Seite die (finanziellen) Mittel der Kliniken schrumpfen, sehen sie sich auf der anderen Seite immer höheren Qualitätsanforderungen gegenüber. Überdies operieren die Einrichtungen heutzutage in größerem Maßstab und sie sind dadurch schwieriger zu lenken. Außerdem wird der Patient immer mündiger und gilt in immer stärkerem Maße als „Verbraucher“.

Der Gesundheitswissenschaftler

Ein Gesundheitswissenschaftler muss vor diesem Hintergrund zum Beispiel in der Lage sein, adäquat mit Schadenersatzansprüchen umzugehen; die Zahl der Patienten, die Geld sehen wollen, wenn etwas schiefgeht, nimmt zu. Die Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte in einem Team verläuft nicht immer reibungslos, denn jeder geht auf eine etwas andere Weise an das Problem heran. Wer Gesundheitswissenschaften studiert, arbeitet künftig mit einer Reihe von Spezialisten, wie Ärzten, Managern und Hilfspersonal, zusammen. So jemand muss deshalb über gediegene Kenntnisse auf dem Gebiet des Gesundheitswesens wie auch anderer Fachbereiche verfügen.

Hallo, ich bin Bart van Wijk und habe dieses Jahr mit Gesundheitswissenschaften begonnen. Nach einer relativ kurzen Periode habe ich beschlossen, mein Studium der Betriebswirtschaft zu ändern. Betriebswirtschaft hat mir nicht genügend Extra Herausforderungen geboten. Somit beschloss ich, Gesundheitswissenschaften zu studieren. Das Thema der Gesundheitsversorgung ist für mich ein wichtiges und interessantes Gebiet. Neben dem Studium bin ich noch Mitglied eines „Dispuuts“, so ein Dispuut ist eine Gruppe von Freunden, die regelmäßig etwas zusammen unternehmen. Dadurch habe ich dann auch viele Freunde gefunden, die mich zu Hause oft besuchen kommen. Ich wohne in einem typischen Studentenhaus, das schon seit über 30 Jahren von Studenten bewohnt wird.“
Bart van Wijk, 1.Jahr

Gesundheitswissenschaften an der Universität Twente

Worin unterscheidet sich das Studium der Gesundheitswissenschaften an der Universität Twente von Ausbildungen an anderen Instituten? Zunächst richtet sich unsere Fakultät gezielt auf Politik, Innovation und Management im Gesundheitswesen. Der Student wird somit nicht zum Arzt, zur behandelnden Person, sondern man sorgt sich um die effiziente und qualitative Fürsorge der Patienten. Das Studium Gesundheitswissenschaften an der Uni Twente befasst sich auch viel mit der Fürsorge für chronische Erkrankung, wie z. B. Parkinson und Alzheimer. Natürlich studiert man als Student nicht die Krankheit, sondern wie man mit der Krankheit als Versorger der Patienten am besten Rechnung hält, denn ein großer Teil der Versicherungssummen wird an die Behandlung chronischer Erkrankung ausgegeben.

Die in Twente studierenden Gesundheitswissenschaftler befassen sich aber auch mit Abläufen bei medizinischen Dienstleistern in allen Sektoren: mit der Art und Weise, in der die Versorgung von Menschen und Unternehmen organisiert und gestaltet wird. Wie wird die Versorgungsleistung im Behandlungsraum ausgeführt? Wie sind Organisation und Richtlinien der Kliniken geregelt, und wie ist es um Organisation und Richtlinien des Gesundheitswesens bestellt? Die Studenten lernen unter anderem, marktorientiert zu denken und den Einfluss neuer technischer und medizintechnischer Entwicklungen abzuschätzen. So zum Beispiel die Möglichkeiten rund um den digitalen Hausarzt – einen Hausarzt, der von zu Hause über den Computer erreichbar ist. Man denkt aus der Perspektive des Patienten, der keine Abschottung zwischen den einzelnen Versorgungsbereichen wünscht, und bevorzugt die „integrale Versorgungskette“.

Das niederländische Gesundheitssystem

Das niederländische Gesundheitssystem besteht aus einer Ansammlung von Ketten (Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, betreutes Wohnen, kommunale Gesundheitsdienste, Hausärzte, Patienten und so weiter). Kommt es in einer Kette zu Verschiebungen, so ist dies in den anderen Ketten sofort spürbar. Als in den Niederlanden 2006 das neue Krankenversicherungssystem eingeführt wurde, hatte dies nicht nur Folgen für Versicherungsgesellschaften und Patienten, sondern auch für Krankenhäuser und Ärzte. Und wenn eine Rehabilitationsklinik durch Kürzungen gezwungen ist, eine Kinderstation zu schließen, dann macht sich das sofort auf der Kinderstation im nächstgelegenen Krankenhaus bemerkbar. Der Physiotherapeut hat auf einmal mehr zu tun, und die Kindertagesstätten sehen sich einer Flut von Anfragen ausgesetzt. Um diese Probleme zu erkennen und zu lösen, braucht man dann Gesundheitsexperten.

Das Bachelor-Studium

Gesundheitswissenschaften dauert drei Jahre. Die Fächer des Studienprogramms sind in verschiedene Themenbereiche gegliedert:

 

Gesundheitsfürsorge

 

Ein Gesundheitswissenschaftler führt keine Behandlungen durch, muss aber wissen, was krank und gesund bedeutet. Er muss natürlich auch chronische Erkrankung erkennen und wissen, wie die normale Behandlung Erkrankter abläuft. Wie z. B. sorgt man für die Begleitung von Patienten mit chronischen Erkrankungen? Auch muss man als Gesundheitswissenschaftler wissen, was moderne Technologien können, und dies sowohl in der Diagnose als auch in der Behandlung. Beispielfächer sind Chronische Erkrankungen 1 und 2, Gesundheitspsychologie und Einleitung in die Biomedizinische Technologie.

 

Organisation und Politik

 

Sobald man Verbesserungen im Pflegesektor einbringen will, muss man sich Wissen über die Organisation dieser Prozesse aneignen. Wie ist eine Organisation aufgebaut? Wie verlaufen Prozesse auf einem bestimmten Gebiet? Wie wird eine Organisation finanziert? Wie implementiert man Politik und Innovationen? Einige Beispielfächer sind Organisationskunde, Innovationsmanagement, Wirtschaft und Gesundheitsfürsorge und Gesundheitspolitik.

 

Forschung und Zusatzfähigkeiten

 

Die Studenten lernen, wie man eine Untersuchung (Forschungsauftrag) konzipiert und durchführt und welche Forschungsmethoden dabei angewendet werden können. Es werden eine Reihe von Methoden vorgestellt, wie Umfragen sowie Befragungs- und Beobachtungstechniken. Darüber hinaus werden die gesammelten Daten verarbeitet und analysiert. Weil Gesundheitswissenschaften zwischen Medizin und Management (Organisationen) agieren, kann ein Gesundheitswissenschaftler sowohl mit medizinischen als auch mit sozialwissenschaftlichen Untersuchungen umgehen. Beispiele sind hier Epidemiologie und Forschung im Gesundheitswesen (HSR).

Studienablauf

Allgemein ist das erste Jahr auf die Gesundheitsfürsorge und die Fürsorge für den Patienten gerichtet. Es geht dort um chronische Krankheiten, deren Ursachen und die komplexen Behandlungsmethoden. Im zweiten Jahr wird man mehr auf dem Level der „Mesookonomie“ die Funktion von Organisationen erlernen. Im dritten Jahr liegt der Fokus vor allem in der Makroökonomie, sprich dem ganzen Pflegesektor. Fragen zur Gesundheitspolitik und Organisationsstrukturen, unter anderem auch in verschiedenen Ländern, werden Hauptthemen sein. Im dritten Jahr hat man außerdem noch Wahlfächer, dort kann man spezialisierende Fächer wählen oder für 10 Wochen an einer ausländischen Universität studieren.

Die Fächer im ersten Studienjahr

1. Semester


Block 1: Primärprozesse im Gesundheitswesen, Anatomie, Projekt 1: Einführung Forschungsmethoden

Block 2: Physiologie und Zellbiologie 1, Physiologie und Zellbiologie 2, Forschung im Gesundheitswesen (Health Services Research, HSR)


2. Semester


Block 3: Pathologie, Projekt 2: Faktoren von Krankheit und Gesundheit, Epidemiologie

Block 4: Klinische Epidemiologie, Chronische Krankheiten, Einleitung in die Biomedizinische Technologie

Die Bachelor-Abschlussarbeit

Im dritten Jahr machen sich die Bachelor-Studenten an ihre Abschlussarbeit. Dies geschieht zum Beispiel in dem „Radiotherapeutisch Instituut Stedendriehoek en Omstreken“ (RISO, Institut für Strahlentherapie Städtedreieck und Umland), in dem Krebskranke behandelt werden. Bevor mit einer Behandlung begonnen werden kann, müssen dem RISO die Patientendaten, etwa die Ergebnisse von Blutuntersuchungen, Fotos und Röntgenaufnahmen, übermittelt werden. Die Zusammenstellung all dieser Informationen ist sehr zeitraubend, weil die Daten von vielen verschiedenen Abteilungen angefordert werden müssen. So führen beispielsweise die Distanzen zwischen dem RISO und den überweisenden Krankenhäusern manchmal zu Verzögerungen beim Versand der Daten. Aufgabe des Gesundheitswissenschaftlers ist es, sich Lösungen auszudenken. Man wird vor schwierige Fragen gestellt: Wer ist an dem Ablauf beteiligt, und wie macht man diesen Mitarbeitern das Problem bewusst? Welche Vereinbarungen sind zu treffen? Wäre die elektronische Patientenakte eine Lösung? Wie setzt man das um, und ist das mit Blick auf den Datenschutz rechtlich zulässig? Und schließlich: Wie überzeugt man andere Menschen von den Lösungen, die man sich ausgedacht hat? Lösungen haben oft erhebliche organisatorische Folgen. Es gilt, kurz gesagt, das Problem zu kartieren und zu versuchen, gemeinsam mit allen betroffenen Parteien nach der optimalen Lösung zu suchen. Hat der Student alle Bachelor-Fächer mit Erfolg absolviert und die Abschlussarbeit fertiggestellt, so erhält er das Bachelor-Diplom. Der dazugehörige Titel lautet „Bachelor of Science“ (BSc).

Das Master-Studium

Ein abgeschlossenes Bachelor-Studium der Gesundheitswissenschaften bietet Zugang zu dem einjährigen Master-Programm „Health Sciences“. Dieses Programm wird in englischer Sprache veranstaltet. Die Themen dieser Master-Ausbildung sind komplexer; die Studenten vertiefen das Wissen, das sie während des Bachelor-Studiums aufgebaut haben. Das Augenmerk gilt der internationalen Dimension der Gesundheitswissenschaften. Das Master-Programm umfasst Fächer, in denen laufend ein Bezug zwischen Management, Strategie, Kommunikation, Medizintechnik und Gesundheitsfürsorge hergestellt wird. Während der Master-Ausbildung wird stets ein Zusammenhang zu den Forschungsprogrammen der Fakultät hergestellt. Das Master-Studium wird mit einer Master-Thesis abgeschlossen. Diese Abschlussarbeit kann den Charakter einer theoretischen Studie tragen, aber auch einem praktischen Problem gewidmet sein, das im Gesundheitswesen auftritt. Nach dem Abschluss darf sich der Student Master of Science (MSc) nennen.

Berufliche Perspektiven

Es besteht eine große Nachfrage nach Gesundheitswissenschaftlern, modernen Managern, Verwaltern und Stabsmitarbeitern, die sich auf dem Gebiet bedarfsorientierter Versorgungsleistungen auskennen. An Führungskräften, die nicht in festen Mustern denken, effizient und zielgerichtet arbeiten, geschäftstüchtig sind und zudem über das notwendige Sachwissen verfügen. Beispiele sind etwa ein Geschäftsführer für den Bereich betreutes Wohnen oder ein Leiter für Erwachsenenpflege in der geistigen Gesundheitsfürsorge. Bei Management- und Stabspositionen in Kliniken, also etwa in Krankenhäusern, wird für die kommende Zeit ein jährliches Wachstum von rund 1.500 Stellen erwartet.


Ein Absolvent der Fachrichtung Gesundheitswissenschaften kann eigentlich in jedem Bereich des Gesundheitswesens tätig werden. So arbeitet zum Beispiel ein in Twente studierter Gesundheitswissenschaftler heute in einer Unternehmensberatung als Berater für Gesundheitsfürsorge. Gelingt es einem medizinischen Dienstleister nicht recht, ein Problem selbst zu lösen, so ist die Hilfe eines Gesundheitswissenschaftlers höchst willkommen. Er studiert das Problem, verschafft sich einen Überblick darüber, welche Seiten betroffen sind, macht Vorschläge und hilft dabei, den Prozess in Gang zu setzen. Oder das Beispiel einer anderen Absolventin, die eine Stellung in einem regionalen Krankenhaus fand und den Auftrag bekam, den Bereich Informationstechnik und Automatisierung richtig zu strukturieren. Sie löste ihre Aufgabe so gut, dass sie jetzt Leiterin der Richtlinienabteilung ist und mehrere Mitarbeiter führt. Natürlich sind auch andere Tätigkeiten denkbar, etwa als Forscher des Bereichs „Transfusion Technology Assessment“ an der Universitätsklinik in Utrecht, der über die Sicherheit von Blutprodukten berät. Zu dieser Arbeit gehört unter anderem, auf nationaler Ebene das Verhalten von Blutempfängern zu untersuchen. Auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik kann an einen Datenmanager in einem klinischen Labor gedacht werden. Dessen Aufgabe lautet, Forschungsdaten so aufzubereiten, dass sie von Labors und Praxispersonal genutzt werden können. Im wirtschaftlichen und kaufmännischen Bereich ist die Stellung eines Immobilien- und Projektentwicklers für den Neubau eines Klinikhotels ein gutes Beispiel. Im Rahmen dieser Tätigkeit wird ein Geschäftsplan für ein Klinikhotel und ein Pflegeheim aufgestellt. Der Entwickler ist für die Regelung der Finanzierung bei Banken und Investoren und die Beschaffung der erforderlichen Genehmigungen verantwortlich. Darüber hinaus trifft er Vereinbarungen mit Krankenhäusern und anderen Einrichtungen über die Aufnahmezahlen und die Auslastung des Klinikhotels.

Eine andere Tätigkeit, die in vielen Kliniken anzutreffen ist, ist die des Qualitätssicherungsbeauftragten. Er hat die Aufgabe, Maßnahmen zu entwickeln und durchzuführen, mit denen die Qualität der geleisteten Versorgung sichergestellt werden soll. Sind die Patienten mit den angebotenen Versorgungsleistungen zufrieden? Wie geht man mit Patientenakten um, und wie werden diese Akten geführt?

Anmeldung

Die Anmeldung für dieses Bachelor-Studium erfolgt über studielink.nl, wo man die Studienbezeichnung „Gezondheidswetenschappen“ (Gesundheitswissenschaften) wählt.

Weitere Informationen zum Studium in den Niederlanden an der University of Twente

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