Bildungswissenschaften an der University of Twente Enschede in den Niederlanden studieren
Informationen über den Studiengang
Bachelor: 3 Jahre
Master: 1 Jahre
In der Welt von heute – und erst recht in der Welt von morgen – dreht sich alles um Wissen. Piloten lernen, wie sie ein Flugzeug steuern müssen, Autofahrer machen ihren Führerschein, Zuwanderer müssen sich mit der Sprache ihrer neuen Heimat vertraut machen, Feuerwehrleute üben für den Ernstfall, Chirurgen müssen komplexe Eingriffe ausführen können, Unternehmen entwickeln neue Produkte. In all diesen Situationen geht es nur um eins: Wissen. Doch wie eignet der Mensch sich dieses Wissen an? Welche intelligenten Methoden gibt es für den menschlichen Lernprozess? Wie funktioniert das Gehirn des Menschen, und wie kann man sich dessen Wirkungsweise zunutze machen? Wie bringt man anderen Menschen Fertigkeiten bei? Wer Bildungswissenschaften studiert, weiß danach die richtige Antwort.
Beispiele von Aufgabenbereichen
Studenten dieser Fachrichtung besitzen beste Aussichten: Sie können dafür sorgen, dass die Menschen mit dem richtigen Wissen versorgt werden. Beispiele sind die Schaffung einer Online-Lernumgebung, die Gestaltung einer Schulung oder die Beratung eines Großunternehmens bei der Einrichtung eines neuen Fortbildungsprogramms. Die niederländische Wirtschaft investiert jedes Jahr viele Milliarden Euro in die Aus- und Weiterbildung. Deshalb herrscht jederzeit Bedarf an Kräften, die in der Lage sind, Schulungen zu planen, einzurichten, auszuführen und auf ihren Nutzen zu beurteilen: Spezialisten, die systematisch an der Professionalisierung und Förderung der fachlichen Fähigkeiten arbeiten.
„Hallo, ich bin Mark Hobers und studiere im zweiten Jahr Bildungswissenschaften. Erst kurz vor dem Abitur habe ich mich entschieden, was ich studieren wollte. F-16-Pilot zu werden schien mir cool, aber nach dem Surfen im Web bin ich bei der Uni Twente gelandet. Dort habe ich zum ersten Mal von Bildungswissenschaften (ehemals EDMM) gelesen. Nach einem Informationstag in Twente war ich so begeistert, dass meine Entscheidung klar war. Im Studium Bildungswissenschaften befassen wir uns mit dem „Lernen“ im weitesten Sinne des Wortes. Jeder Mensch lernt anders. Wir entwickeln kreativ und praxisorientiert einzigartige Lehrmittel, z. B. für den Grundschulunterricht, die Polizei, die Pflege oder Non-Profit-Organisationen. Das Studium finde ich super, und ich freue mich schon auf das dritte Jahr, in dem ich mehr Management- und Betriebswirtschaftsfächer bekomme.“
Mark Hobbers, 2. Jahr
Angewandte Unterrichtsmethoden
Bildungswissenschaften – bis zum letzten Jahr Educational Design, Management & Media – hat einen neuen Namen bekommen, besitzt aber immer noch die charakteristischen Eigenschaften der Vorjahre. Absolventen der Studienrichtung Bildungswissenschaften an der Universität Twente befassen sich in ihrem späteren Berufsleben mit angewandten Unterrichtsmethoden (Design). Der Begriff „Unterricht“ ist dabei im weitesten Sinne zu sehen. Es kann um Grundschulunterricht gehen, aber auch um die Weiterbildung in einem Unternehmen.
Das Wissen, das die Studenten über Unternehmen, Unternehmenspolitik und Unternehmensführung sammeln, ermöglicht es ihnen später, Fragen der Bildung besser zu verstehen und unter Berücksichtigung der unternehmensspezifischen Gegebenheiten zu steuern; darauf bezieht sich der Begriff „Management“. Darüber hinaus wird der Student zur Fachkraft für die Entwicklung von Lehrmitteln. Denn für die effektive Übertragung von Wissen sind Hilfsmittel wie Videoaufnahmen, Simulationen, Computerspiele oder Online-Tagebücher (Weblogs) äußerst nützlich; damit wird der Bereich „Media“ abgedeckt.
Das entwurfsbezogene Konzept an der Uni Twente
Im Gegensatz zu anderen Ausbildungen auf dem Gebiet des Bildungswesens wird an der Universität Twente nach dem entwurfsbezogenen Konzept gearbeitet. Dieses Konzept beinhaltet systematische, bildungsbezogene Forschungsarbeit mit einer Analyse der festgestellten Probleme. Auf diese Weise kann sich der Student ein umfassendes Bild von dem Wissensbedarf einer Ausbildung oder eines Unternehmens machen. Auf dieser Grundlage werden Lösungen entworfen, zum Beispiel für eine Bildungs-Website oder einen besonderen Unterrichtsplan für Lehrer in einem Entwicklungsland. Diese Lösungen kommen anschließend auf den Prüfstand, um ihren Nutzen beurteilen zu können. Diese Arbeit wird in wissenschaftlich fundierter Weise ausgeführt.
Das Bachelor-Studium
Das Studium Bildungswissenschaften ist nach dem Bachelor-Master-System aufgebaut. Die Bachelor-Phase dauert drei Jahre und wird mit einem Bachelor-Diplom abgeschlossen. Mit diesem Diplom kann der Absolvent sofort in das Berufsleben einsteigen; zugleich jedoch ist es die Eintrittskarte für ein sich anschließendes einjähriges Master-Studium, das weiter unten näher beschrieben wird. Bildungswissenschaften ist durch die große Nähe von Theorie und Praxis gekennzeichnet. Im Mittelpunkt stehen daher die sogenannten Ateliers, bei denen es sich um Lern- und Arbeitsumgebungen handelt. Auf den Unterricht in einer Reihe von Theoriefächern folgt ein Atelier. In diesem Atelier macht sich der Student auf die Suche nach der Lösung für ein konkretes Problem, das von einem Unternehmen, einer Schule oder einer Einrichtung stammt. Innerhalb des Ateliers wird das Problem von der Gruppe gelöst; dabei ist das im Theorieunterricht gesammelte Wissen gefragt. Die Ateliers sind in vier Themen gegliedert:
Medien
Der Student lernt, wie man mit (multi-)medialen Mitteln einen Beitrag zum Lernprozess leisten kann. Gearbeitet wird mit Illustrationen, Audioaufnahmen, Simulationen, Computerspielen oder Webblogs. Ein Beispiel für ein Fach, das sich gut in dieses Thema fügt, ist Medienpsychologie. In diesem Fach erfährt der Student, wie der Mensch durch Medien, wie etwa Internet und Fernsehen, beeinflusst werden kann, welchen Effekt also zum Beispiel Werbebotschaften haben, aber auch in welcher Weise ein Nachrichtensprecher seine Meldungen am besten vorlesen sollte. Zu diesem Thema gehört Atelier 1, in dem die Studenten eine Gruppe bilden, die eine Bildungs-Website entwirft und realisiert. Auf dieser Website werden kurze Videoaufnahmen und Animationen gezeigt.
Curriculum und Instruktion
Ein Curriculum ist ein Lehrplan. Was muss jemand wissen, der für einen bestimmten Beruf studiert oder mit einer Maschine umgehen können muss? Der Begriff Instruktion bezieht sich hier auf die Art und Weise, wie gelehrt wird, also um die Ausführung des Lehrplans. Curriculumtheorie ist ein Fach, in dem erklärt wird, wie ein guter Lehrplan aussieht. Das Fach Instruktionstheorie ist der Frage gewidmet, wie man eine Instruktion konzipiert; dabei muss der Student auch selbst eine kurze Unterweisung geben. So erfährt man am eigenen Leibe, wie schwierig es manchmal ist, eine Sache richtig zu erklären. Zu diesem Thema gehört Atelier 2: Der Student hat die Aufgabe, einen Lehrplan zu einem Sachthema zu erstellen, das an der Grundschule behandelt wird, wie zum Beispiel die Wikinger, die Pyramiden oder das Wattenmeer. Der Lehrplan wird mit verschiedenen Instruktionen ausgearbeitet (lesen, lernen, handeln).
Organisation und Management, Human Resource Development (HRD)
Im Rahmen dieses Themas erfährt der Student alles über die Planung und Organisation von Bildungsmaßnahmen. Dabei kann es sich sowohl um den Unterricht an Schulen als auch um die Ausbildung in Unternehmen handeln. Die Studenten dieser Fachrichtung sind Ausbildungsspezialisten und wissen daher, welche Methode die besten Erfolgsaussichten bietet, wenn es darum geht, Menschen zu weiterer Entwicklung zu verhelfen. Der Student muss wissen, wie eine Organisation aufgebaut ist; diese Kenntnisse werden ihm in dem Fach Unternehmenskunde vermittelt. Im Fach HRD lernen die Studenten, in welcher Weise sich die eigenen Mitarbeiter entwickeln können. Zu diesem Bereich gehört Atelier 3. Dort wird den Studenten ein Problem vorgelegt, das sich im Bereich des Lernens in einem Unternehmen abspielt und für das sie eine Lösung suchen müssen.
Evaluierung und Beurteilung
Werden die Lernziele mit einer Ausbildung, einer Schulung oder einem Kurs erreicht? Diese Frage steht zentral, und der Student macht sich daran, sie zu beantworten, zum Beispiel mithilfe einer Prüfung. So kann man etwa über die Frage nachdenken, wie eine Prüfung zu entwickeln ist (Abschlussprüfungen sind dafür ein Beispiel), wie man dafür den Computer einsetzen kann und wie man Schul- oder Gruppenarbeiten beurteilt. In dem Fach Evaluierung lernen die Studenten, wie man eine sinnvolle Evaluierung gestaltet. So stellt sich beispielsweise die Frage, wie viele Personen zu befragen wären, damit eine Untersuchung Aussagekraft erhält. In Atelier 4 machen sich die Studenten selbstständig an die Ausarbeitung einer Prüfung und beschäftigen sich mit Abschlussprüfungen.
Hilfsfächer
Wer Unterrichtsmethoden entwerfen will, muss über die nötige Menschenkenntnis verfügen. So muss man wissen, wie Menschen lernen und denken, welchen Einfluss das Bildungswesen auf die Gesellschaft hat oder wie man Erwachsene ausbildet. Daher bilden Fächer wie Einführung in die Psychologie oder Soziologie, Pädagogik & Andragogik eine bedeutende Basis. Weil man wissenschaftliche Arbeit leistet, ist auch Forschung wichtig.
Das Master-Studium
Eine abgeschlossene Bachelor-Ausbildung ermöglicht dem Studenten den Zugang zu dem anschließenden einjährigen Master-Studium. Das in den Themenbereichen Medien, Curriculum, Instruktion, Organisation, Management, Human Resource Development sowie Evaluierung und Beurteilung gesammelte Wissen wird im Verlauf des Master-Studiums weiter vertieft. Am Ende dieses Studiums steht die Master-Abschlussarbeit.
Berufliche Perspektiven
Die schnellen Entwicklungen und wissenschaftlichen Fortschritte haben zur Folge, dass vorhandenes Wissen rasch veraltet. Dies ist denn auch der Grund dafür, dass viele Großunternehmen über eine eigene Ausbildungsabteilung für die Entwicklung und Durchführung von Schulungen für ihre Mitarbeiter verfügen. Darüber hinaus werden Schulungsaufträge an externe Unternehmen vergeben. Wer sich beruflich auf dem Gebiet der Bildungswissenschaften betätigt, wird sich auf verschiedenen Ebenen mit all diesen Aspekten auseinandersetzen. Das reicht von der Zusammenstellung von Unterrichtsmaterial bis hin zur Planung und Organisierung von Fortbildungsprogrammen für eine ganze Abteilung. Da ist es nicht verwunderlich, dass rund 60 Prozent der Absolventen dieses Studiums eine Stelle in einem Wirtschaftsunternehmen finden, zum Beispiel bei einem Bildungsinstitut oder einem Beratungsunternehmen.
Anmeldung
Die Anmeldung für dieses Bachelor-Studium erfolgt über www.studielink.nl, wo man die Studienbezeichnung „Onderwijskunde“ (Bildungswissenschaften) wählt.
Weitere Informationen zum Studium in den Niederlanden an der University of Twente
- Besuche das Hochschulportrait der University of Twente
- Hier gehts zum Bestellformular für eine Broschüre der Uni Twente














